d’Naabtaler Musikanten

+++ Nächster Termin: Musikprobe am Donnerstag, 10.10.2019 um 19:00 Uhr im Vereinsheim. +++

"Eine Gemeinde ohne Musikkapelle gleicht einer Kirche ohne Orgel."


Dieser Spruch dürfte wohl im Jahre 1975 Pate gestanden haben, als man in der Marktgemeinde Wernberg-Köblitz daran dachte, wieder eine Musikkapelle ins Leben zu rufen.


Der erste, wohl schwierigste Schritt war dabei sicherlich, einen geeigneten Dirigenten zu finden. Da man von Herrn Karl Schmid wusste, dass er von früher Jugend an die verschiedensten Blasinstrumente erlernt hatte und dass er als ehemaliger Militärmusiker noch immer aktiv bei der Kapelle Dobmeier in Tännesberg mitwirkte, trug man ihm dieses und verantwortungsvolle Amt an. Nach ein paar Tagen Bedenkzeit erklärte Herr Schmid sich bereit, das Amt des Dirigenten und die damit verbundene Ausbildung zu übernehmen. Dank dieser Zusage stand nun der Gründung einer Musikkapelle nichts mehr im Wege.


In der "aktuellen Information" des Marktes Wernberg-Köblitz vom 25. April 1975 wurden dann erstmals alle Interessenten aufgerufen, sich bei der Marktverwaltung zu melden. Bereits am 06. Mai 1975 fand im Gasthaus Burkhard eine erste Zusammenkunft statt, zu der sich alte Musikanten einfanden, aber auch viele Jugendliche, die das Handwerk des Musikers erst erlernen wollten. Bei weiteren Treffen wurde vereinbart, dass jeder aktive Musiker sein eigenes Instrument kaufen musste. Nur die Grußinstrumente (Tuba, Trommel usw.) sollten über Darlehen und Zuschüsse finanziert werden.


Große Anerkennung galt auch dem damaligen Bürgermeister Theo Albrecht, der mit seinem Marktrat voll hinter dem Unternehmen "Gründung einer Musikkapelle" stand und bereits in der Aufbauphase einen Zuschuss in Höhe von 2.700, DM bewilligte. Auf seinen Antrag hin überreichte der damalige bayerische Ministerpräsident Dr. Alfons Goppel der Musikkapelle bei einem Sprechtag im Gasthaus Schinner ein Flügelhorn.


Nachdem der erste große Instrumentenkauf bei der Firma Reisser in Regensburg erfolgte, begann man nach den großen Ferien 1975 mit der Probenarbeit. Im Jugendheim konnte man schließlich ein Vereinszimmer einrichten. Bereits im Oktober 1975 hatte eine kleine Besetzung ihren ersten großen Auftritt. Anlässlich des 50. Geburtstages von Herrn Erwin Zanner gratulierte man mit einem Ständchen. Der erste öffentliche Auftritt der gesamten Musikkapelle erfolgte am 14. November 1975 beim Volkstrauertag in Wernberg und Oberköblitz.


Am Jahresende stand der Entschluss fest, die Schar der Musikanten in einem Verein zusammenzuschließen und so wurde der 31. Januar 1976 für die Gründungsversammlung bestimmt.


Die Gründungsversammlung der Musikkapelle "d´Naabtaler Musikanten" wurde am Samstag, den 31. Januar 1976, im Gasthaus Burkhard von Herrn Rudolf Bergold eröffnet. Als Vertreter des Marktes Wernberg-Köblitz war Theo Albrecht anwesend. Nach einer kurzen Rückschau und den Grußworten des 1. Bürgermeisters Herrn Albrecht, wurde in geheimer Wahl die erste Vorstandschaft gewählt.


Folgende aktive Mitglieder wurden in die Verwaltungsorgane des Vereins gewählt:


Vorstandschaft:

1. Vorsitzender                    Rudolf Bergold

2. Vorsitzender                    Heribert List

1. Dirigent                           Karl Schmid

2. Dirigent                           Hans Mages

Schriftführer                        Hermann Plößl

Kassier                                 Hermann Plößl


Ausschuss:

Beisitzer                              Franz Keck

                                           Gerhard Scheuerer

Notenwart                            Konrad Dotzler

Jugendvertreter                    Konrad Ram



Gründungsmitglieder der Musikkapelle "d´Naabtaler Musikanten" waren:


Rudolf Bergold, Uwe Bergold, Norbert Demleitner, Konrad Dotzler, Hans Ebenburger jun., Willi Engelhard, Christine Fleischmann, Christine Götz, Konrad Götz, Josef Gollwitzer, Annemarie Hägler, Rosina Hägler, Regina Hofstetter, Irene Hofstetter, Reinhard Kastner, Franz Keck, Franz Kirchner, Stefan Kirchner, Andreas Kraus, Heribert List, Hans Mages, Rudolf Meiller, Reinhold Meiller, Franz Ott, Hermann Plößl, Reinhold Pröls, Konrad Ram, Gerhard Scheuerer, Karl Schmid, Hans Schönberger jun., Hans Schöner, Anton Schreyer


Zum Zeitpunkt ihrer Gründung, waren die Naabtaler Musikanten der 48ste Verein im Bereich des Marktes Wernberg-Köblitz. Als Vereinslokal entschied man sich für das Gasthaus Burkhard, wobei die Musikproben im Jugendheim abgehalten wurden.


Bei der ersten Ausschusssitzung am 27. April 1976 wurde u. a. der Beitritt zum Nordbayerischen Musikbund beschlossen. Auch die Anschaffung einer gemeinsamen Tracht war Gesprächsthema in der Sitzung. Man einigte sich auf eine rote Jacke, ein grünes Leibchen, ein weißes Hemd, eine schwarze Bund-/Lederhose, wollweiße Strümpfe und schwarze Halbschuhe. Da sich die gewählte Tracht von den vielen Oberpfälzer Trachten anderer Kapellen unterschied und nicht der Vorstellung der Bezirksvertretung entsprach, wurde die Anschaffung nicht durch finanzielle Mittel gefördert. Aus Kostengründen musste daher der Kauf von Jacken noch zurückgestellt werden.


Die gemeinsamen Musikproben mussten ebenfalls geregelt werden und fanden jeweils dienstags von 18:30 Uhr bis 20:30 Uhr statt. Zusätzlich wurden noch Einzelproben durchgeführt, die von verschiedenen Ausbildern geleitet wurden. Dirigent Karl Schmid hatte dabei die meisten Jungmusiker zu betreuen. Fast täglich führte er drei bis vier Musikanten, manchmal sogar noch mehr, in seiner Korbflechterkammer in die Kunst des Musizierens ein.


Der Preis für die harte Probenarbeit waren die Auftritte in der Öffentlichkeit. Ganz am Anfang stand die musikalische Umrahmung der Maibaumaufstellung am 30. April 1976. Beim musikalischen Frühschoppen am 13. Juni 1976 anlässlich des Naabfestes der FFW-Oberköblitz trat die Kapelle zum ersten Mal in einem Festzelt auf. Am 27. Juni 1976 wurde auf Initiative des langjährigen Feuerwehrkommandanten der FFW-Woppenhof Herrn Scheidler der Grundstein für die Beteiligung am Johannistag in Woppenhof gelegt, der heute noch einen festen Bestandteil im Jahresprogramm der Naabtaler Musikanten darstellt.


Als Höhepunkt im ersten Vereinsjahr kann sicherlich der erste Festzug am 11. Juli 1976 beim Radfahrverein "Concordia" Wernberg bezeichnet werden. Bei dieser Gelegenheit wurde die neue Vereinstracht, jedoch ohne Jacke, der Öffentlichkeit präsentiert.


Am 25. Juli 1976 wirkte erstmals wieder eine Musikkapelle des Marktes Wernberg-Köblitz an den Festlichkeiten des Mutter-Anna-Festes mit. Die Naabtaler Musikanten übernahmen die musikalische Gestaltung des Weckrufs, des Kirchenzuges und des anschließenden Frühschoppens im Festzelt. Seither ist auch dieser Termin des Mutter-Anna-Festes alljährlich wiederkehrend. Traditionell wurde nach dem Weckruf dem 1. Bürgermeister ein Ständchen gespielt. Auch das hervorragende Musikantenfrühstück vor dem Kirchenzug, zu dem die Kapelle seit 1976 von der Familie Koch in der Kolpingstraße eingeladen wird, darf nicht vergessen werden.


In einer weiteren Ausschusssitzung im Oktober 1976 unterhielt man sich über die erste eigene Veranstaltung. Die Kapelle führte in Zusammenarbeit mit dem Chor der OWV-Ortsgruppe Wernberg anlässlich des einjährigen Bestehens der Naabtaler Musikanten im Jugendheim eine "Bayerische Weihnacht" durch.

In den folgenden Jahren hatten die Musiker eine ganze Menge an Auftritten zu bewältigen. Geburtstagsständchen, Festzüge, die Teilnahme an der Abschlussveranstaltung der Blumenolympiade in der Nordgauhalle in Nabburg, eine Waldweihnacht mit dem OWV Wernberg-Köblitz, der erste Faschingszug in Wernberg-Köblitz 1978, ein Auftritt in Nürnberg anlässlich einer Fremdenverkehrswerbeveranstaltung des Marktes Wernberg-Köblitz, die Teilnahme am 1. Bezirksmusikfest in Wolfring, die Umrahmung des 100jährigen Gründungsfestes der FFW Losau/Schiltern als Festkapelle und vieles mehr stand auf dem Programm.


Besonders hervorzuheben ist der erste Besuch in Andernach am Rhein vom 30. Juni bis 02. Juli 1978. Hierzu erhielt die Kapelle eine Einladung der Malzfabrik Weißheimer und der Stadtsoldaten aus Andernach. Nachdem am ersten Tag eine Betriebsfeier der Malzfabrik mitgestaltet wurde, knüpfte man am nächsten Tag bereits die erste Verbindung zu den Stadtsoldaten, woraus sich eine langjährige Freundschaft und Verbundenheit entwickeln sollte. Den Aufenthalt in Andernach krönte ein Altstadtfest mit über 3000 Besuchern. Unter den Gästen weilten auch die Fußballweltmeister Fritz und Otmar Walter, wobei es sich Fritz nicht nehmen ließ, einen zünftigen Marsch mit den Naabtaler Musikanten zu dirigieren.


Nicht lange ließ ein Gegenbesuch der Stadtsoldaten in Wernberg-Köblitz auf sich warten. Einige erinnern sich vielleicht noch an den rheinisch-bayerischen Abend am 08. September 1979 im Jugendheim Wernberg, bei dem die Stadtsoldaten den Saal mit rheinischer Stimmung und Humor füllten.


Das erste Kirchweihfest in Unterköblitz im Juni 1979 wurde zum Auftakt einer kleinen Tradition. Gemeinsam mit dem Schützenverein Wernberg-Köblitz wurde über Jahre hinweg die "Köblitzer Kirchweih" im Rahmen eines Bierzeltfestes gefeiert. Auch wenn es das Fest in dieser Art und Weise nicht mehr gibt, so blieb ein freundschaftliches Verhältnis der beiden Vereine bis heute bestehen.


Schnell wurde klar, dass für Auftritte in Festzelten unbedingt eine Anlage erforderlich war. Der Verein kam nicht umhin, eine Verstärkeranlage anzuschaffen, für die 12.000,- DM investiert wurden.


Die Vereinsgeschichte der Naabtaler Musikanten war aber nicht nur von Erfolgserlebnissen geprägt, die Kapelle musste auch Rückschläge und Einbrüche durchstehen. Einen herben Verlust stellte 1979 das Ausscheiden des Dirigenten Karl Schmid dar. Sein Amt übernahm Hans Schöner, der es als "alter" und erfahrener Musikant verstand, die Musikkapelle bis 1984 zu leiten.


Ein großes Problem stellte und stellt immer noch die Schul- und Berufsausbildung dar. Zahlreiche Musikanten verschlug es immer wieder weit weg, sodass sie ihre Musikertätigkeit niederlegen mussten. Daher kam und kommt es immer wieder zu Engpässen in den verschiedenen Instrumentengruppen.


Die Musikkapelle kann im Laufe der Zeit auf einige prominente Dirigenten bzw. Musiker zurückblicken. Nicht nur Fritz Walter übernahm bereits die Leitung der Kapelle, auch MdB Dr. Jobst führte schon den Taktstock. Weihbischof Karl Flügel erwies sich bei der 250-Jahr-Feier der Johanneskirche in Woppenhof als hervorragender Schlagzeuger.


Am 18. September 1980 erfolgte der Eintrag in das Vereinsregister beim Amtsgericht Nabburg.


Ihr fünfjähriges Bestehen feierte die Kapelle am 01. Januar 1981 im Rahmen eines Neujahrskonzertes für die gesamte Bevölkerung im Jugendheim Wernberg, bei dem ein bunter Strauß beliebter Melodien zur Aufführung gebracht wurde.


Vom 29. bis 31. Mai 1980 war man erneut zu Gast bei den Stadtsoldaten in Andernach. Ein rheinisch-bayerischer Abend in der restlos ausverkauften Mittelrheinhalle war sowohl für die Besucher als auch für die Musikanten ein Glanzpunkt im Jahr.


Vereinsgeschichte war sicherlich die Fahrt nach Meldorf in Schleswig-Holstein vom 06. bis 08. Mai 1983. Im Rahmen der Meldorf-Woche waren die Naabtaler Musikanten vom Wirtschafts- und Verkehrsverein der Stadt Meldorf in die reizvolle Domstadt an der Nordsee eingeladen. In der überfüllten Dithmarschen halle wurde ein original bayerischer Abend mit Bier vom Fass in Maßkrügen, Weißwürsten und Brezen sowie bayerischer Musik der Naabtaler Musikanten geboten. Die ausgelassene Stimmung und enorme Begeisterung des Publikums überwältigte alle Musiker und machten den Aufenthalt zu einem unvergesslichen Erlebnis.


Ein Erlebnis ganz besonderer Art war die Teilnahme am Tag der Blasmusik in Regensburg am 25. September 1983. Eine von Bischof Manfred gelesene Messe wurde von ca. 1.500 Musikern auf dem Domplatz in Regensburg musikalisch umrahmt.


Nach dem Mutter-Anna-Fest 1984 musste erneut eine entscheidende Personalveränderung vollzogen werden. Der Dirigent Hans Schöner trat zurück. Sein Amt bekleidete von nun ab Herr Josef Gollwitzer.


Dass das Musizieren nicht immer so einfach ist, zeigte 1985 die 75-Jahr-Feier des Obst- und Gartenbauvereins Wernberg-Köblitz. Ein Unwetter war aufgezogen und es regnete in Strömen. Zu allem Übel war über der Bühne eine schadhafte Zeltbahn angebracht worden und die gesamte Anlage und die Instrumente standen unter Wasser. Das Musikspielen entwickelte sich zu einer großen Zumutung. Zum Teil war es nur möglich unter aufgestellten Sonnenschirmen und Plastikhäuten zu spielen.


Die Erfahrung, dass das Wetter einer Musikkapelle schon mal einen Strich durch die Rechnung machen kann, mussten die Naabtaler Musikanten bereits in früheren Jahren machen, als bei Minustemperaturen von ca. 12 Grad bei einem Ständchen ein Instrument nach dem anderen einfror und das angefangene Musikstück erst nach einem Geburtstagsschluck in der warmen Gaststube zu Ende gespielt werden konnte.


In guter Erinnerung ist vielen Musikern noch die Teilnahme der Kapelle an der 950-Jahr-Feier der Stadt Kulmbach verbunden mit der 850-Jahr-Feier der Plassenburg. 48 Musikkapellen und Spielmannszüge sowie über 100 Gruppen und Vereine bildeten auf der über 7 km langen Strecke einen außergewöhnlichen Festzug für ca. 60.000 Zuschauer. Leider war es am Ende für die durstigen Musikanten nahezu ein Ding der Unmöglichkeit an einer der drei Ausschankstellen ein kühles Bier zu ergattern.


1986 stand der Musikkapelle ein großes Jubiläum ins Haus. Die Naabtaler Musikanten konnten vom 23. bis 26. Mai 1986 ihr 10jähriges Gründungsfest feiern. Auch damals schon wurde die Bitte zur Übernahme der Patenschaft der Stadtkapelle Pfreimd angetragen. Beide Musikkapellen pflegten schon immer eine sehr freundschaftliche Verbundenheit und die Stadtkapelle erklärte sich bereits zum 10-Jährigen gerne bereit für das bevorstehende Fest Pate zu stehen. Auch Herr Günter Koch begleitete als Ehrenschirmherr bereits das erste große Jubiläum der Kapelle und unterstützte den Verein tatkräftig. Herr Koch stand schon immer als wohlwollender und hilfsbereiter Gönner und Förderer an der Seite der Naabtaler Musikanten. Die Stadtsoldaten aus Andernach ließen es sich ebenfalls nicht nehmen, mit dem Jubelverein zu feiern. Sie reisten extra zum Jubiläum nach Wernberg und bereicherten das Fest mit rheinischer Stimmung. Ein großes und unvergessliches Ereignis stellte der Sternmarsch am Sonntagnachmittag dar. Zahlreiche Musikkapellen und Spielmannszüge aus nah und fern trafen sich aus verschiedenen Richtungen kommend am Sportplatz in Wernberg zum Gemeinschaftschor. Die vielen Zuschauer konnten einem Klangkörper der besonderen Art lauschen, als über 400 Musiker ihre Instrumente zum Klingen brachten.


Auch in personeller Hinsicht sollte 1986 ein bedeutendes Jahr sein. Ein Dirigentenwechsel stand an: Josef Gollwitzer legte sein Amt nieder und Rudolf Bergold übernahm die musikalische Leitung.


Die enge Freundschaft mit der Stadtkapelle Pfreimd wurde im Jahr 1988 durch die gemeinsame Fahrt nach Andernach unterstrichen. Mit vereinten Kräften beteiligte man sich an der 2000-Jahr-Feier in Andernach. Auf dem Heimweg wurde ein Stop in Bonn eingelegt, wo die Musiker im Garten der bayerischen Vertretung von MdB Dr. Dionys Jobst empfangen wurden.


An dieser Stelle sollten auch die traditionellen Fußballspiele erwähnt werden, die zwischen der Stadtkapelle Pfreimd und den Naabtaler Musikanten ausgetragen wurden. Jedes Jahr trat man abwechselnd in Pfreimd und Wernberg an um sich auf sportlicher Ebene zu messen. Leider können diese Spiele mittlerweile aus bestimmten Gründen nicht mehr durchgeführt werden.


Das Jahr 1989 gestaltete sich, was den Posten des Dirigenten betrifft, sehr abwechslungsreich. Im Januar trat Rudolf Bergold als musikalischer Leiter zurück, worauf Gerhard Scheuerer das Amt übernahm. Bereits im August änderte sich die Situation wieder und Rudolf Bergold führte die Naabtaler Musikanten weiter bis 1990.


Die nächste größere Reise stand 1989 auf dem Programm. Die Naabtaler Musikanten reisten einen Monat nach dem Fall der Mauer in die Hauptstadt Berlin. Der Auftrag bestand darin, die Weihnachtsfeier der Polizei musikalisch zu umrahmen. Dass der Auftraggeber die Berliner Polizei war, brachte, wie sich herausstellen sollte, große Vorteile mit sich. So standen die Musiker unter persönlichem "Polizeischutz" und wurden in Polizeibussen durch Berlin gefahren. Natürlich wollte man auch selbst Hand an der Mauer anlegen und klopfte so manche Souvenirs herunter.


Ein Jahr später, im Oktober 1990, legte Rudolf Bergold das musikalische Zepter endgültig nieder und Christian Dorner dirigierte von da an die Kapelle.


Ein weiteres Jubiläum stand 1992 ins Haus. Die Naabtaler Musikanten konnten nunmehr auf 15 Jahre zurückblicken. Nachdem sich die Kapelle im abgelaufenen Jahr stark verjüngte, wurde die Bevölkerung zu einem Konzert ins Jugendheim eingeladen, das große Resonanz fand.


Zum dritten Mal unternahm die Kapelle 1992 eine Reise in den hohen Norden. Die Naabtaler Musikanten waren wieder zur Meldorf-Woche eingeladen. Dort sollte ein Heimatabend mal anders stattfinden - "anstatt der Nordseeidylle gab´s in Meldorf jetzt Jodler und Schuhplattler aus dem weiß-blauen Bayern". Die Domstädter übten sich erfolgreich im "Bierseidelstemmen, nachdem eine riesige Fontäne weißen Schaums beim Anstechen des von den Naabtalern mitgebrachten Bierfasses unter begeistertem Applaus des Publikums durch den Saal spritzte.


Bezüglich der engen Verbundenheit der Naabtaler Musikanten und der Stadtkapelle Pfreimd wurde im Januar 1993 ein weiterer Eckpfeiler gesetzt. Johanna Zenger, die damalige erste Vorsitzende der Naabtaler Musikanten und Bernhard Ponnath, Dirigent und erster Vorstand der Pfreimder Stadtkapelle, gaben sich am 23. Januar 1993 das "Ja-Wort". Zur "Musikanten"-Hochzeit überbrachten natürlich beide Kapellen ihre musikalischen Glückwünsche.


Nach 17 Jahren konnten die Naabtaler Musikanten 1993 ein eigenes Vereinsheim einrichten und haben somit endlich einen bleibenden Platz gefunden.


Eine neue Veranstaltung kam 1993 zu den jährlich wiederkehrenden Terminen des Vereins hinzu. Die Naabtaler Musikanten veranstalteten am 18. Juli ihr erstes eigenes Gartenfest im Garten am Vereinsheim. Dieses fand bis zum Jahr 2000 jeweils am ersten Juli-Wochenende statt.


Bei den Naabtaler Musikanten wird auch Wert auf Jugendarbeit gelegt. Da in der Kapelle viele Jugendliche mitwirkten, wurde 1993 zum ersten Mal ein Zeltlager durchgeführt. Mit dem Fahrrad ging´s zur Kainzmühle, wo idyllisch auf einer kleinen Insel die Zelte aufgeschlagen wurden. Bei einer Schnipseljagd, beim gemeinsamen Kochen und bei gemütlichem Zusammensitzen am Lagerfeuer konnte man sich richtig gut kennen lernen und näher kommen. Auch in den Jahren 1994, 1999 und 2000 hieß es Rucksäcke packen und für drei Tage ab ins Zeltlager.


Den Höhepunkt im Jahr 1994 stellte die Fahrt nach Meldorf dar. Zum vierten Mal machten sich die Naabtaler Musikanten auf die lange Reise, um erneut bei der Meldorf-Woche mitzuwirken. Mittlerweile kannte man sich in der Domstadt schon recht gut aus und fühlte sich vor allem bei Willi Wittdorf, der sich liebevoll der bayerischen Besucher annahm, bereits wie zu Hause.


Im September 1995 übernahm Bernhard Ponnath von Christian Dorner das Amt des Dirigenten und leitete die Naabtaler in musikalischer Hinsicht.


Im Jahr 1995 verschlug es die Kapelle in eine andere Richtung. Diesmal ging´s zum Karneval am Rhein. Einmal an einem der riesigen Rosenmontagsumzüge im Rheinland mitwirken und die Stimmung erleben! Dies sollte für die Naabtaler Musikanten Wirklichkeit werden. Engagiert von der Karnevalsgesellschaft Rot-Blaue-Funken Remscheid machten sich die Musiker auf, neue Erfahrungen und Eindrücke zu gewinnen. Man gestaltete mehrere Veranstaltungen der Rot-Blauen-Funken, unter anderem eine Prunksitzung, mit. Gekrönt wurde der Aufenthalt durch die Teilnahme am Rosenmontagszug in Düsseldorf. Die Kapelle konnte hautnah erleben, was es heißt, so richtig Karneval zu feiern! Als die Naabtaler Musikanten 1999 erneut eine Einladung nach Remscheid erreichte, erinnerte man sich der unvergesslichen Erlebnisse am Rhein und entschied sich gerne, wieder zum rheinländischen Karneval zu fahren.


1996 konnte die Kapelle ihren 20. Geburtstag feiern. Dies tat man im Rahmen des jährlichen Gartenfestes im Juli. Alle Vereine der Marktgemeinde waren eingeladen sich an einem Festzug zu beteiligen, der im Garten am Vereinsheim endete. Nach anfänglichen Schwierigkeiten beim Ausschenken, als aus dem Zapfhahn mehr Schaum als Bier floss, konnte doch noch jeder Gast seinen Durst rechtzeitig löschen.


Im gleichen Jahr sollte der Verein noch einen anderen Teil Deutschlands durch eine musikalische Reise kennen lernen. Diesmal hieß das Ziel Waldenburg in Sachsen. Auf Initiative von Herrn Günter Koch konnten die Naabtaler Musikanten dort ihr musikalisches Können unter Beweis stellen. Der geknüpfte Kontakt nach Sachsen wurde 1998 wieder aufgefrischt, als die Naabtaler Musikanten ein zweites Mal in Waldenburg engagiert wurde.


"Bluval" - das ist eine Musikveranstaltung in Straubing, bei der in der ganzen Stadt an verschiedenen Stellen die unterschiedlichsten Kapellen und Musikgruppen ihr Können zum Besten geben. Die Naabtaler Musikanten beteiligten sich an diesem Festival in den Jahren 1997 und 1999. Für alle Musikerinnen und Musiker war das jedes Mal ein schönes Erlebnis - sowohl das eigene Musizieren als auch das Herumlaufen und Zuhören machten enormen Spaß.


Das Vereinsjahr 1999 war geprägt von intensiver Probenarbeit. Anfang des Jahres hatten die Naabtaler Musikanten zusammen mit der Stadtkapelle Pfreimd beschlossen, ein Gemeinschaftskonzert auf die Füße zu stellen. Das bedeutete für beide Kapellen harte Arbeit. Regelmäßig traf man sich zu Gemeinschaftsproben, die abwechselnd in Wernberg und Pfreimd stattfanden. Im Oktober wurde ein ganzes Probenwochenende in Ödpielmannsberg durchgeführt, das sowohl aus musikalischer als auch aus kameradschaftlicher Sicht ein voller Erfolg war. Das Ergebnis des beständigen Probens wurde am 05. Januar in Wernberg und am 09. Januar in Pfreimd der Öffentlichkeit präsentiert. Die Musiker wurden an diesen beiden Abenden durch viel Applaus vom Publikum für ihre Anstrengungen belohnt.


Motiviert und angespornt von den Eindrücken des "Konzerts 2000" machten sich die Musiker an die bevorstehenden Aufgaben. Sie hatten 2000 vielfältige Auftritte zu bewältigen: der Faschingszug in Steinberg; die Josefifeier der CSU im Jugendheim, die zu den jährlichen Fixterminen im Kalender der Naabtaler Musikanten gehört; zwei Hochzeiten aktiver Mitglieder; der Florianstag; das Kreismusikfest; das Fest der FFW-Neunaigen und der Kaolinkapelle; die Kirchweih in Unterköblitz; das Gartenfest der Naabtaler Musikanten; das Bürgerfest in Pfreimd; das Mutter-Anna-Fest; der Volkstrauertag; Festzüge, Ständchen und einiges mehr.


Im Januar 2001 musste der Verein einen schweren Rückschlag erleiden. Der Dirigent Bernhard Ponnath legte sein Amt nieder. Die Naabtaler Musikanten standen zunächst vor einem großen schwarzen Loch. Mit vereinten Kräften wurde nun daran gearbeitet, dieses Loch zu stopfen. Und wieder einmal war es Gerhard Scheuerer, der sich schließlich bereit erklärte, das Loch zu stopfen und das Amt des Dirigenten übergangsweise übernahm. "Übergangsweise", was eigentlich nur bis längstens Weihnachten 2001 bedeuten sollte. Doch aus dem "bis Weihnachten" sind fast drei Jahre geworden.


Ein anderes Problem waren die vielen berufs- und familienbedingten Abgänge der "alten" Stammspieler, so dass schließlich nur eine gute Hand voll von ihnen übrig blieb. Dies hatte zur Folge, sein Augenmerk noch stärker auf den Nachwuchs zu richten und verstärkt Nachwuchswerbung zu betreiben um wieder junge Musikerinnen und Musiker für die Kapelle zu gewinnen.


Im September 2003 erklärte sich Heribert Mirwald bereit, das Amt des Dirigenten zu übernehmen und Gerhard Scheuerer endlich abzulösen. Die große Herausforderung liegt nun darin, aus diesem "jungen Haufen" (das Durchschnittsalter der Kapelle liegt derzeit bei ca. 22 Jahren) einen guten Klangkörper zu formen und gemeinsam ein neues Programm auf die Beine zu stellen.


Schwerpunkt in den nächsten Jahren wird auch die Jugendarbeit sein, denn die Arbeit mit jungen Menschen liegt uns sehr am Herzen, wissen wir doch, dass gerade ein gut ausgebildeter und motivierter Nachwuchs das beste Kapital für eine Musikkapelle ist.